Schwerpunkt: Dialog der Generationen

Beitrag zum Deutschen Stiftungstag 2016

Austausch zwischen Erfahrung und Jugend

Die Sitzplätze füllen sich allmählich. Hier winkt der Eine dem Anderen zu, vielen kennen sich bereits und kommen rasch ins Gespräch. Die meisten haben schon einen langen Tag hinter sich, der Deutsche Stiftungstag mit über 1.500 Teilnehmern in Leipzig hat so viele interessante Angebote, dass es fast anstrengend ist alles zu schaffen. Das Treffen des Kreises Junge Menschen und Stiftungen wird ein Stück weit auch als eine Oase des Austausch sowie eines konzentrierten und persönlichen Gesprächsrahmens wahrgenommen.

Inhaltlich engagieren sich Stiftungen bereits vielfältig im Themenfeld des demografischen Wandels. Doch müssen wir dabei den Blick für die tatsächlichen Umstände noch einmal schärfen? Zur Diskussion steht, ob der Austausch zwischen den Generationen wirklich gelingt. Die Stühle, die sich mehr und mehr füllen, sind einander zugewandt. Der Einladung des Kreises Junge Menschen und Stiftungen sind etwa 50 Stiftungsvertreter gefolgt. Es ist bereits das 5. Treffen des Kreises auf dem Deutschen Stiftungstag. Der Kreis will den Dialog suchen und die Kultur des herzlichen und offenen Austauschs fördern. Hier finden die Erfahrungen der Teilnehmer, ihre Ideen, kritischen Anmerkungen und Vorschläge Gehör. Im Fokus stehen drei Thesen, die in Gesprächskreisen moderiert werden.

These 1: Der demografische Wandel ist multidimensional und braucht das Handeln aller Akteure. Kooperationen zwischen Stiftungen, aber auch mit anderen Sektoren sind ungemein sinnvoll, wenn jeder Akteur seine Kernkompetenzen einbringen kann.

Stiftungen sind langfristig denkende und gleichzeitig flexibel handelnde Akteure, so einer der Beiträge. Sie können gerade durch diese Eigenschaften in Kooperationen neue Impulse setzen und Themen in ihrer ganzen Breite mit einer starken Kontinuität aufarbeiten. Dieser Stärke müssen sich Stiftungen in ihrem Handeln bewusst sein und sie aktiv ausspielen.

These 2: Der demografische Wandel zeigt sich regional unterschiedlich. Viele Stiftungen sind lokal und regional tätig und sollten entsprechende Akzente setzen. Ländliche Regionen, zum Beispiel in Ostdeutschland, sollten stärker in den Blick genommen werden.

Ländliche Regionen erfolgreich zu stabilisieren hängt nicht nur von einer attraktiven Infrastruktur ab. Neue und alte Anwohner müssen in den Dialog kommen, um Hürden zu überwinden. Bei der Integration von neuen Bewohnern kommt die Frage hinzu: Fügen sie sich in bestehende Strukturen ein, oder haben sie eigene Vorstellungen von Ort und Art ihrer Zukunft? Stiftungen können Kontakt zwischen unterschiedlichen Gruppen schaffen und zum Handeln anregen.

These 3: Der demografische Wandel sollte als Zukunftsthema platziert werden, zum Beispiel über die längere Möglichkeit lebenslangen Lernens und Wirkens und neue Potentiale der Daseinsvorsorge.

Der demografische Wandel bringt nicht nur Lasten, er bietet auch große Chancen. Die Vorstellungen von Familie und Arbeit werden vielfältiger und flexibler. Die flächendeckende Barrierefreiheit, die vordringlich für ältere Bürger geschaffen wird, nutzt auch Eltern, Kindern, Berufstätigen und Menschen mit Behinderung. Für die fitte Großelterngeneration ist ehrenamtliches Engagement ein denkbarer Zeitvertreib. Stiftungen können den demografischen Wandeln die negative Tracht abnehmen, damit arbeiten und ihm ein anderes Ansehen verleihen.

Die Potentiale, Kompetenzen und Erfahrungen aller Menschen sollten auf Augenhöhe und unabhängig vom Alter oder Status einbezogen werden. Viele Akteure bleiben in ihren Netzwerken und beziehen junge Menschen selten in ihre Arbeit ein, obwohl sie viel über die junge Generation reden. Stiftungsarbeit bietet die Chance, Menschen aller Altersgruppen in einen Austausch zu bringen.

Was bewirkt der demografische Wandel für den eigenen Lebensentwurf und die berufliche Entwicklung? Alte Vorstellungen lösen sich auf – alles scheint möglich, nichts planbar. Wie bestimmt man dabei die Richtung? – Wenn gleichzeitig kaum Sicherheiten geboten werden. Das berufliche Fortkommen für Ältere, aber auch für Frauen ist nicht immer einfach. Auch hier können Stiftungen junge und kleine Institutionen, Projekte und Menschen ideell und finanziell unterstützen, die neue Lebensentwürfe ausprobieren und eigene Wege gehen.

Fazit: Während die Teilnehmer miteinander sprachen entstand eine Atmosphäre, die stärker vom Zuhören als vom Überzeugen wollen geprägt ist, stärker vom Zuwenden als vom Wortführen. In diesem Bericht kann nur ein Bruchteil der Aspekte, welche die Teilnehmer diskutierten, beschrieben werden. Doch der angeregte Austausch hat viele Impulse offenbart, die später in der alltäglichen Arbeit in Stiftungen genutzt werden können. Gespräche und Erfahrungswerte können immer wieder dazu führen, Projekte und Zielsetzungen weiter zu entwickeln. Und das sollten wir immer wieder tun, um Beiträge zu stiften, die nicht nur gestern und heute von Wert sind, sondern auch in Zukunft.

Ausblick auf kommende Veranstaltungen

Das 18. Treffen des Kreises Junge Menschen und Stiftungen von Freitag, 28. Oktober 11 Uhr bis Samstag, 29. Oktober 15 Uhr in der Joachim Herz Stiftung in Hamburg wird den Schwerpunkt „Berufliche Entwicklung im Stiftungswegen“ mit einer Mischung aus Vorträgen, Diskussion und Austausch behandeln.

Unser Dank

Der Kreis Junge Menschen und Stiftungen dankt den Organisatoren, Moderatoren und Unterstützern, vor allem Marietta Grimm, Anja Gossens, Mara Knapp, Annika Behrendt, Stefan Vogt, Jörg Alves, Christian Schlimok, Dr. Konstantin Kehl und Dr. Robert Benjamin Biskop sowie vielen weiteren Vertretern des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen für ihren Einsatz in der Vorbereitung und die Gastfreundschaft vor Ort auf dem Deutschen Stiftungstag in der Neuen Messe in Leipzig.

Autoren und Fotografen der Dokumentation

Alexander Bätz und Anika Bonitz (Text), Julia Lindner und Anika Bonitz (Fotos).

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