Schwerpunkt „Neue Medien und Stiftungshandeln“ in Hannover

Was haben Apps und Computerspiele mit Stiftungen zu tun? Braucht eine Gesellschaft neben dem Datenschutz auch digitale Bürgerrechte? Wer sind die Eigentümer digitaler Kultur? Diese und viele weitere Fragen diskutierten die etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 16. Treffens des Kreises Junge Menschen und Stiftungen.

Gesellschaft, Arbeit, Recht – alles schon 2.0?

Einblicke in das Wechselspiel von Kunst, Kultur und neuen Medien gaben die Impulsvorträge von Dr. Sabine Schormann und Amrei Fistler, Niedersächsische Sparkassenstiftung und VGH-Stiftung, sowie von Dr. Gesa Schönermark, Stiftung Niedersachsen.

Die Wirtschaft treibt Entwicklungen voran, die die Grenzen zwischen Digitalem, Wirtschaft und Privatheit auflösen, gab Christopher Patrick Peterka vom Thinktank Gannaca zu bedenken. Den Parallelwährungen Aufmerksamkeit und Daten fehlt der rechtliche Bezug zum Bürger. Ein Diskurs über Recht 2.0 wird notwendig.

Florian Eisenbach von der CeBIT bezog BigData, Social Business und Drohnen auf das Handeln von Stiftungen. Die Zukunftsmusik der digitalen Transformation ist in der Industrie schon Gegenwart – und sie formt die Arbeitsverhältnisse ebenso nachhaltig neu wie das Privatleben der Menschen. Ob sie wollen oder nicht.

Dr. Dieter Müller, Technologiestiftung Berlin, hadert mit dem deutschen Urheberrecht: Mit Open Educational Resources könnten Lehrkräfte neues Wissen zeitnah vermitteln, anstatt Jahre auf aktualisierte Bücher zu warten. Doch eine gemeinfreie Lizensierung ist bislang nicht ausreichend vorgesehen.

Der Frage nach dem gesellschaftlichen Impact sozialer Medien ging Isa Lange, Stiftungsuniversität Hildesheim, mit dem Kurzfilm „Wie wohl 1989 mit Facebook und Twitter verlaufen wäre?“ nach: Hätte die digitale Vernetzung den Mauerfall beschleunigt oder das System aus Zensur und Unterdrückung gestärkt?

„Was für ein Verständnis von Arbeit haben wir, gesellschaftlich wie persönlich? Was ist daran problematisch?“ Diese Fragen nagten an Christopher Batke, bis er seinen Job kündigte und die „Talententwickler“ gründete. Er will Antworten entwickeln – für sich und für junge Leute, die ihren Platz in Arbeit und Gesellschaft suchen.

Neue Medien als Kanal

Sabine Wedemeyer, Karg-Stiftung, und Andreas Huthwelker, Agentur Novamondo, zeigten, wie durch die Neuen Medien mehrere Zielgruppen einer Stiftung erreicht werden können. Früher waren die gedruckten und digitalen Materialien der Stiftung nicht miteinander vernetzt. Crossmedial wird jetzt mit dem Karg Fachportal Hochbegabung zielgruppenspezifisch mehr Wissen zu den Themen Hochbegabung und Hochbegabtenförderung vermittelt. Nun erhalten Eltern und Lehrer die Informationen gleichzeitig spielerisch und wissenschaftlich fundiert, Eltern finden hier beispielsweise Erstinformationen zur Hochbegabung von Kindern sowie Kontakte zu Beratungsstellen.

Digitale Programminhalte

Anja Gossens von der Joachim Herz Stiftung erklärte anhand des Lehr- und Lernportals „LEIFIphysik“, wie digitale Lernmaterialien und Versuche Physik lebensnah vermitteln können. Auch die Frage des Einsatzes von Spielen in Schule und Bildung wurde gemeinsam diskutiert.

Auch bei Fiona von Prónay und Petra Schnabel, JOBLINGE Dachorganisation, verschmelzen Kanäle, Inhalte und Didaktik: Ihre Lern-App für Jugendliche fördert die mathematischen Fähigkeiten durch Lust am Spielen und Erfolgserlebnisse bei der Aufgabenlösung.

Zum Rahmenprogramm

Neben den Vorträgen wurde den Teilnehmern ein vielfältiges Programm geboten. So zeigte der Historiker und stellvertrende Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung Michael Heinrich Schormann mit exzellentem Fachwissen und Humor bei einem abendlichen Spaziergang die Geschichte der Residenz- und Messestadt Hannover unter Berücksichtigung der Wirkung von Stiftungen. Am Abend stellte Dr. Robert Benjamin Biskop in einer atmosphärischen Diskussion Thesen zur multimedialen Konstruktion und Rezeption von „Harry Potter“ vor. Die Ausstellung „Digital Archives“ des Kunstvereins Hannover regte durch die Führung der Kuratorin Kathleen Rahn zum Nachdenken über den Bezug von Wirklichkeit, Datenströmen und Sicherheit an.

Fazit und Ausblick auf kommende Veranstaltungen

Stiftungen sind sowohl Mitgestalter und Profiteur, wenn sie die neuen Möglichkeiten digitaler Medien praktisch einzusetzen wissen. Sie sind darüber hinaus Objekt des gesellschaftlichen Wandels. Sie müssen neue Anforderungen an ihr Handeln wahrnehmen, neue Definitionen von Verantwortung erarbeiten.

Förderer und Unterstützer

Wir danken der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung, der Stiftung Niedersachsen sowie dem Bundesverband Deutscher Stiftungen für die Unterstützung dieser Veranstaltung sowie der Stiftung Elemente der Begeisterung für die organisatorische Trägerschaft des Kreises Junge Menschen und Stiftungen.

Autoren und Fotografen der Dokumentation

Anika Bonitz und Alexander Bätz (Text), Christian Hochmuth (Fotos).

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